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Behandlungsverlauf

Hier ein Bericht über ein besonderes Kind:

Mein Sohn Nico kam in der 25. SSW zur Welt. Seine Lunge war noch nicht ausgereift, die Gabe des Lungenreifungsmittels nicht mehr möglich. Acht Wochen wurde der kleine Mann beatmet, und oft ging es ihm durch Lungeninfekte sehr schlecht. Nach Acht. Wochen konnte Nico dann endlich extubiert werden. Und nach insgesamt 15 Wochen Intensivstation wurde er endlich nach Hause entlassen.
Doch fiel zu Hause dann mit der Zeit auf, dass etwas "nicht stimmte". Nico hatte das Köpfen immer auf dieselbe Seite. Alle Versuche ihm die andere Seit "Schmackhaft" zu machen scheitern kläglich.
Auch Kopfkontrolle oder Rumpfkontrolle hatte er keine, und er überstreckte immer den Rücken. Letzteres mit einer enormen Kraftaufwendung. Er war dann wörtlich "steif wie ein Brett".
Auch Schlucken machte ihm vor allem bei Breien Probleme, und kauen konnte er gar nicht.
Ich sprach dies dann bei einer Kontrolle im KH an, und man gab mir Recht. Man verordnete Physiotherapie und meinte, dies wäre bei extrem Frühgeborenen Kindern durchaus normal, weil sie kein richtige Körpergefühl hätten. Da ihnen die letzte Zeit in der Gebärmutter fehlte. Denn dann würden sie lernen ihren Körper zu spüren.
Die Physiotherapie war für uns beide eine Qual. Nico schrie und brüllte um sein Leben. Beim zweiten Besuch schon, sobald wir das Gebäude betraten, und irgendwelche Erfolge gab es nicht.
Die Therapeutin deutete schließlich an, das es meine Schuld wäre, und ich mich gefälligst anstrengen sollte, das das Kind den Kopf drehen würde.
Irgendwann brach ich die Therapie frustriert ab, suchte mir aber eine Private Therapeutin, welche nach Hause kam. Das klappte ganz gut, vor allem ging es in der gewohnten Umgebung mit dem Kleinen besser, und ohne Tränen.
Doch auch dies brachte nicht den gewünschten Erfolg. Eines Tages schrieb das KH dann in seinen Befund "KISS Syndrom", und zufällig war Zeitgleich in einer Zeitschrift ein Artikel darüber. Der Begriff KISS Syndrom war mir bis dato völlig unbekannt.
Eine Freundin jagte dann für mich durch das Internet, und las alles Mögliche darüber nach. Außerdem bestellte sie mir ein Buch von Dr. Biedermann, welches ich verschlugen habe.
In allem was ich darin las, erkannte ich in Nico wieder. Und so wurde die Idee, oder vielmehr der Wunsch geboren, meinen Sohn doch einmal Manualtherapeutisch behandeln zu lassen.
Doch im KH und bei meiner Physiotherapeutin stieß ich auf taube Ohren. KISS - Syndrom? Gibt es nicht. Modekrankheit!
Das man dies in einen Befund geschrieben hätte, wollte man gar nicht mehr zugeben, obwohl ich diesen heute noch habe.
Die Therapeutin wollte mir sogar mehr oder weniger ausreden bzw. verbieten das Buch von Dr. Biedermann zu lesen.
Doch hatte ich den Beschluss gefasst, es mit Manualtherapie zu versuchen, und hatte nicht vor, mich davon abbringen zu lassen.
Ich besorgte mir einen eigenen Internetanschluss, lernte die Suchmaschine Google zu bedienen, und las alles, was ich über das KISS fand. Eines Tages stolperte ich dann auch auf diese Seite, und so kamen wir in regen Email Kontakt.

Doch eines Tages stellte sich dann heraus, dass mein Sohn Folgeschäden zurück behalten hatte. Bei meinem Sohn wurde eine Cerebrale Bewegungsstörung (oder auch Cerebralparese, (irreversible Schädigung des Gehirns, vermutlich durch Sauerstoffmangel)) diagnostiziert, und für mich brach eine Welt zusammen. Ich fiel in ein tiefes Schwarzes Loch, und sah die erste Zeit keine Chance, da wieder raus zu klettern.
Alle Wünsche und Hoffnungen, welche man als Mutter für sein Kind hat, stürzten ein wie ein Kartenhaus. Ich war am Boden, und fiel von einem Heulkrampf in den nächsten. Ich brauchte 2 Wochen um mich halbwegs zu fangen.
Doch irgendwann sah ich ein, dass ich die Tatsache, dass mein Sohn behindert ist, nicht ändern konnte. Ich konnte nur versuchen ihm bestmöglich zu helfen.
Doch legte ich den Plan mit der Manualtherapie auf Eis. Ich sah darin keinen Sinn mehr.
Irgendwann nach ein paar Wochen, fischte ich das Buch von Dr. Biedermann wieder aus dem Regal, und las es noch einmal. - Ich weiß bis heute nicht, warum.
Darin stand, dass Manualtherapie auch bei Kindern mit CP angewendet werden kann und auch erfolgreich angewandt wird. Heilen kann man CP allerdings nicht - aber das wusste ich schon.
Und so flammte mein Wunsch wieder auf, Nico behandeln zu lassen.
Nachdem ich eines Tages erfahren hatte, das Dr. Sacher nach Österreich kommen würde, und ich ihm eine Mail mit Nicos Geschichte geschickt hatte, lud er uns ein. Er wollte sich den Kleinen gerne einmal ansehen.
Nur Ferndiagnosen könne er natürlich keine stellen, aber vielleicht dem Kind "ein paar Steine aus dem Weg räumen"!
Und so saßen wir eines Tages ganz Früh im Zug. Nach etwas vier Stunden kamen wir an, lernten dort auch eine ganz liebe Internetbekannte kennen, und bald nach uns traf Dr. Sacher ein.
Neugierig schob ich Nico im REHA Buggy in den Raum, wo Dr. Sacher in untersuchen wollte. Er bat mich darum ihm von Nicos Geburt, seiner Behinderung und von seinem Verhalten zu erzählen.
Außerdem sah er sich die Babyfotos an, welche ich mitgebracht hatte, wo man ganz deutlich Nico´s KISS Haltung sah. Ich hatte auch Arztbriefe und Befunde mitgebracht, auch jenen, in welchen ganz deutlich "KISS - Syndrom" zu lesen stand.
Schließlich bat Dr. Sacher mich, den Kleinen aus dem REHA Buggy zu nehmen, und bis auf die Windel auszuziehen. Dr. Sacher nahm ihn auf den Arm und erklärte mir, er würde Nico nun genau Untersuchen und mir dann alles erklären. Nico protestierte lautstark und ich hatte Angst, dass er sich wehren und so eine Behandlung unmöglich machen würde. Doch Dr. Sacher hat ohne Zweifel sehr viel Übung und so hatte Nico keine Chance ihm zu "entkommen".
Dr. Sacher untersuchte eingehend Nicos Gliedmaßen, seine Reflexe und seine Wirbelsäule. Er Tastete an seinem Köpfchen rum, und zog den Kopf vorsichtig in die Höhe. Es sah - zugegeben - etwas brutal aus, aber es musste sein. Aber Schlucken musste ich trotzdem. Dann legte Dr. Sacher Nico auf den Tisch, auf welchen Dr. Sacher wie auf einem Pferd saß, und zwar so, das Nicos Köpfchen zu Dr. Sacher lag. Er tastete an Nicos Halswirbelsäule, und da ich ja das Buch von Dr. Biedermann gelesen hatte, wusste ich, was nun kommen würde.
Es gab ein fürchterliches Knacken. Dieses Geräusch lies mir die Gänsehaut aufsteigen. Ich werde es mein ganzes Leben niemals vergessen.
Danach gab er mir Nico wieder in den Arm, und ich sah, das Dr. Sacher völlig durchgeschwitzt war. Für ihn war das wohl Schwerstarbeit gewesen.
Die Behandlung war nun fertig, und Dr. Sacher begann zu erklären:

Nico hat eine Cerebralparese. Er hat ganz viel Cerebralparese und ganz wenig KISS. Das KISS Syndrom hätte er behandelt, aber eine Cerebralparese ist nicht heilbar. (Das war und ist mir bekannt)
Man kann lediglich das Gehirn schulen, das ungenutze Hirnregionen die Arbeit von den geschädigten oder zerstörten Hirnregionen übernehmen.
Nico hat eine Tetraparese, d.h. alle vier Extremitäten sind betroffen. (Er war der erste! Arzt, welcher mir den Typ der CP genannt hat. Später sollten die Ärzte im KH MICH fragen, welchen Typ das Kind hätte!)
Nico hätte außerdem einen Hang zur Spastik, vor allem in den Oberschenkeln. Und da müsste man auch mit der Therapie ansetzen, um die Muskeln weich zu halten, sonst würde das Kind eines Tages auf Dauer im Rollstuhl sitzen.
Außerdem hatte Nico nun zwei Wochen absolutes Therapieverbot. Ich sollte mich in ungefähr drei Wochen per Mail bei Dr. Sacher melden, und ihm Nicos Fortschritte erzählen - soweit es welche geben sollte.

Er meinte auch, dass bei Nico noch Reflexe aktiv wären, welche er gar nicht mehr haben dürfte! Also, Reflexe, welche Babies haben, welche aber mit der Zeit verschwinden. Am stärksten wäre bei Nico noch der "Schreckreflex". Das heißt, wenn das Köpfchen z.b. beim Baden nach hinten Knickt, löst dies den Reflex aus, das Kind gerät in Panik und kann dagegen nicht ankämpfen. Dies wäre strikt zu vermeiden.

Es sollte nun die Kopfkontrolle besser werden. Mehr Prognosen wollte und konnte Dr. Sacher allerdings nicht stellen.

Das war mir an Dr. Sacher so sympathisch, er hat nichts beschönigt und er hat nichts verschwiegen. Er hat offen die Karten auf den Tisch gelegt, und er hat mir in diesen 45 Minuten mehr über Nico erzählt, als alle anderen Ärzte vorher in 2 Jahren!
Ich bedankte mich bei Dr. Sacher, und so machten wir uns auf die Heimreise.

Ich war ohne große Hoffnung zu Dr. Sacher gefahren. Hatte keine Wunder erwartet, da ich an Wunderheilungen nicht glauben kann. Ich stehe fest genug auf dem Boden der Tatsachen, das ich weiß, was möglich ist, oder was nicht.
Doch kristallisierten sich in den nächsten Tagen und Wochen unglaubliche Fortschritte bei Nico heraus.

Er konnte plötzlich gezielt greifen, er bevorzugte nicht mehr nur eine Körperseite, er konnte sein Köpfchen drehen.
Das überstrecken kam nach Dr. Sachers Behandlung nie wieder vor, und das Kind konnte plötzlich kauen. Und auch das Schlucken klappte, ohne das er sich verschluckte und ich wieder Schrecksekunden hatte.

Mein Kind war völlig verändert, und das fiel nicht nur mir auf. Auch Bekannte, welche ich nicht "eingeweiht" hatte, staunten. Und auch im KH fiel die positive Veränderung auf. Dr. Sacher hat sich übrigens über die Fortschritte mindestens genauso gefreut, wie ich.

Ich bin Dr. Sacher heute noch dankbar, das er sich bereit erklärt hat, sich Nico anzusehen und ihn zu Behandeln. Das werde ich ihm niemals vergessen.
Und noch etwas hat mich dies alles gelehrt: ich bin auf dem richtigen Weg. Manchmal muss man sich als Mutter einfach auf das Bauchgefühl verlassen. Ärzte sind auch nur Menschen, und keine Götter in weiß. Und ich bin froh, das ich nicht auf die Ärzte hier gehört habe und mir die Behandlung ausreden lies.

Danke Dr. Sacher
Birgit und Nico, aus Kärnten

P.S. Ich möchte noch ein Sprichwort anfügen, in welchem sehr viel Wahrheit steckt.

Nicht Behindert zu sein ist nicht selbstverständlich. ES ist ein Geschenk, welches uns jederzeit wieder genommen werden kann.

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